Das Königreich der Niederlande – Teil 1

Klein, aber fein!

Da meine zweite Heimat die Niederlande sind, möchte ich Sie einmal – entgegen den sonst eher etwas trockenen Blogtexten – mit Wissenswertem über diese schöne Region bekannt machen. Eigentlich heißt es korrekt „Königreich der Niederlande“ und es hat, bei einer Fläche von 41.528 Quadratkilometern, 16,4 Millionen Einwohner. Wer kennt nicht die herrliche Hauptstadt Amsterdam mit ihren charakteristischen, malerischen Grachten!

Die Niederlande, gelegen im Nordwesten Europas, gehören zu den Benelux-Staaten, und in beinahe keinem anderen europäischen Land leben so viele Menschen auf einer Fläche wie in den Niederlanden. Wussten Sie, dass etwas über ein Viertel dieses Staates unterhalb des Meeresspiegels liegt? Aus diesem Grund haben die Niederländer mehrere tausend Deiche gebaut, die das Land vor Überschwemmungen schützen sollen. Im 16. Sowie im 17. Jahrhundert stieg das Volk zu einer bedeutenden Seemacht auf. Diese Tatsache brachte es mit sich, dass Handelsniederlassungen und Kolonien auf vielen Kontinenten gegründet wurden, die dem Land großen Reichtum bescherten.

Warum sagen viele Niederländer von sich, sie seien „Holländer“?

Seit dem 1. Januar 1986 gliedern sich die Niederlande in zwölf Provinzen, die häufig in vier Gruppen eingeteilt werden:

  • Utrecht, Nord- und Südholland (!) im Westen
  • Zeeland, Nord-Brabant und Limburg im Süden
  • Flevoland, Gelderland und Overijssel im Osten
  • Drente, Groningen und Friesland im Norden

So werden mit „Holland“ korrekterweise nur zwei Provinzen der Niederlande bezeichnet. Der Begriff „Holland“ als Synonym für „Niederlande“ ist daher zwar volkstümlich, aber eigentlich nicht richtig. Er hat sich jedoch so eingebürgert, dass diesen sogar die Niederländer selbst ihn übernommen haben. Holland, als der Landesteil, der im Westen der Niederlande liegt, umschließt beispielsweise die Städte Amsterdam, Rotterdam sowie Dordrecht. Als Grafschaft im 10. Jahrhundert entstanden, wurde es im Jahr 1579 Teil der „ Vereinigten Niederlande“.

Die Niederlande- Ein kleiner Blick in die Historie

Das Königreich der Niederlande ist ein föderationsähnliches staatsrechtliches Gebilde zwischen den Niederlanden und den niederländischen Karibikinseln, die durch das „Statut für das Königreich der Niederlande“ verbunden sind. Ebenso existiert eine „Verfassung des Königreiches der Niederlande“, genannt „Grondwet“, was übersetzt „Grundgesetz“ heißt, mit allgemeinen und Niederlande-spezifischen Artikeln, sowie die Verfassungen, niederländisch „Staatsregeling“, der Karibikinseln Aruba, Curacao und Sint Marten.

Im Mittelalter wurden, wie schon erwähnt, viele der häufig von Kaufleuten regierten niederländischen Städte äußerst wohlhabend. Im 15. Jahrhundert kamen die Niederlande, damals bestehend aus Holland, Belgien und Flandern, an die Herzöge von Burgund und im Jahre 1504 an das spanische Königshaus. Der wachsende Widerstand gegen die Herrschaft der Spanier endete im Jahr 1568 in einem von Wilhelm von Oranien siegreich geführten Aufstand gegen König Philip II. von Spanien. Nun bildeten sieben nördliche Provinzen die „Vereinigten Provinzen“, die im Jahr 1648 als „Republik der Niederlande“ anerkannt wurden. 1814 schließlich wurden die Niederlande ein Königreich.

Ein wichtiges Kapitel: Die Landgewinnung in den Niederlanden

Wie schon erwähnt, liegen große Teile der niederländischen Nordseeküste teilweise unter dem Meeresspiegel. Seit Jahrhunderten kämpfen die Menschen hier nicht nur gegen die Meeresfluten an, um sie mithilfe von Deichen von ihrem Land fernzuhalten, sondern es ist ihnen auch gelungen, neues Land dem Meer abzutrotzen. Seit dem 13. Jahrhundert werden in den Niederlanden kontinuierlich Windmühlen dazu genutzt, um Wasser aus den so genannten „Poldern“ herauszupumpen. Hier wird zwischen dem Meer und dem zu gewinnenden Land ein Deich errichtet und dann das Wasser hinter dem Deich abgepumpt. Danach wird die Fläche mit einem Geflecht aus Zweigen abgedeckt, zwischen dem Schilf gesät wird. Ist das Schilf hoch gewachsen, wird es abgebrannt und die Asche unter die Erde gemischt. Für den gesamten Vorgang werden ungefähr acht Jahre benötigt. Das Ergebnis ist neues Land, das bewirtschaftet und mit Häusern bebaut werden kann. Die Niederländer sind in der Landgewinnung wahre Meister, was dazu führte, dass sie an der Küste des Wattenmeeres immer gerne als Siedler angeworben wurden. Bis auf den heutigen Tag wird in den Niederlanden das Land nicht passiv gegen steigenden Meeresspiegel gesichert, denn in der dicht besiedelten Region stellt Landgewinnung oft die einzige Möglichkeit dar, nutzbare Flächen in großer Menge zu erhalten.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Rotterdam, einst als kleine Heringsfischersiedlung um 1230 gegründet und 1340 mit Stadtrechten versehen. Aufgrund der günstigen Lage wurde die Stadt schnell zum florierenden Handelsplatz. Heute ist Rotterdam der größte Seehafen Europas und drittgrößter weltweit. 2009 wurden 400 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, womit der Hafen beinahe seine Kapazitätsgrenzen erreicht hatte. Um das Bestehen im harten Wettbewerb zu sichern, wurde viel Platz benötigt, da die modernen Containerhöfe große Flächen zum Abstellen und Lagern der Container brauchen. Um diese Notwendigkeit zu realisieren, wurde im Jahr 2004 das Projekt „Maasvlakte 2“ gestartet, das sich zum Ziel setzte, ungefähr 2000 Hektar Neuland für den Hafen zu gewinnen. Nach dem Baubeginn im Jahr 2008, wurde die Maasvlakte 2 am 22. Mai 2013 von der niederländischen Verkehrsministerin eröffnet. Ein kleine, aber feine Anmerkung am Rande: Diese Hafenerweiterung wurde nicht nur innerhalb des festgesetzten Zeitplans fertig, sondern der Bau fiel  auch 150 Millionen günstiger aus, als er veranschlagt wurde!

Was es noch alles Interessantes über das Königreich der Niederlande zu berichten gibt, erfahren Sie im 2. Teil des Blogbeitrags!

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